Wir werden älter – und schlauer

Man merkt es selbst, wenn man den Kindern beim Daddeln am Computer zuschaut: So flott wie die kann man gar nicht mehr mitdenken und agieren. Mit dem Alter, spätestens ab 50, wird das schnelle Denken merklich langsamer. Man lernt nicht mehr so schnell Neues, kann sich nicht mehr so viele Dinge auf einmal merken und Multitasking fällt einem schwerer (als es eh schon ist). Dieses Phänomen untersuchen Wissenschaftler schon seit Jahren. Ursache ist, dass unser Arbeitsgedächtnis (man nennt es auch fluide Intelligenz), die Struktur im Gehirn, die für die Verarbeitung von aktuellen Informationen zuständig ist, langsamer wird.

Das ist blöd, denn gerade im Job, aber auch für soziale Interaktionen und den gesamten Alltag in unserer schnellen modernen Welt, ist ein flottes Arbeitsgedächtnis von Vorteil. Und jeder kennt die Klagen der Wirtschaft, die fragt: Wer soll denn bitte die innovativen Ideen und die qualitativ hochwertige Arbeit machen, wenn hier alle über 50 sind?

Doch jetzt haben Forscher um die Alters- und Entwicklungsforscher Vegard Skirbekk (Wien) und Ursula Staudinger (Bremen & Columbia) herausgefunden: Im Vergleich zu den Generationen vor uns, funktioniert das Arbeitsgedächtnis bei einem heute 50jährigen wie geschmiert! „Jede neue Generation entwickelt einen höheren Level an fluider Intelligenz in jungen Jahren und frühem Erwachsenenalter“, erklären die Wissenschaftler in ihrer aktuellen Veröffentlichung. Das Phänomen ist so durchschlagend, dass es einen eigenen Namen hat: Der Flynn-Effekt, benannt nach seinem Entdecker. Und dieser Zuwachs an Intelligenz und flottem Denken wirkt ein Leben lang – deshalb ist auch jede neue ältere Generation im Kopf sehr viel fitter als die vorige.

Was das heißt? Dass die meisten Menschen heute im Jahr 2013 auch mit 50 und älter so fit im Kopf und so schnell im Denken sind wie die Generation ihrer Eltern mit 40. Dass sie trotzdem im Job oft schon nicht mehr wertgeschätzt und zum „alten Eisen“ gezählt werden, wirkt vor diesem Hintergrund noch einmal mehr seltsam. Die Forscher gehen sogar soweit, die Intelligenz der gesamten Population unter die Lupe zu nehmen (am Beispiel von UK) und kommen zu dem Schluss: „Wenn die Entwicklung weiter so anhält, dann steigt die kognitive Fähigkeit bezogen auf die Gesamtbevölkerung noch bis ins Jahr 2042 – trotz der Alterung der Bevölkerung.“

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