Die Kraft der Gedanken: Man ist so alt, wie man sich denkt

Wenn Sie Ihre Lebenszeit durch die Kraft Ihrer Gedanken – durch ein positives Selbstbild – um sieben gute Jahre verlängern könnten. Würden Sie es tun?

Sie können sofort damit beginnen. Es ist gar nicht so schwer. Die Psychologin Becca R. Levy vom Institut für Gesundheit der Universität Yale konnte in vielen Studien zeigen, dass vor allem eine positive Einstellung zum Älterwerden dafür sorgt, dass man auch tatsächlich gesund und munter alt wird. Levys bekannteste Untersuchung analysiert die Lebensläufe von 660 Männern und Frauen, die 23 Jahre vorher als gesunde Menschen im mittleren Lebensalter (50 und älter) für eine Langzeitstudie ausgewählt worden waren. Das Ergebnis: Die Menschen, die eine positive Einstellung zum Älterwerden hatten, lebten im Schnitt 7,5 Jahre länger als die Menschen, die im Älterwerden vor allem Verlust und Abbau sahen – und das völlig unabhängig von anderen Gesundheitsfaktoren.

„Der Effekt des positiven Selbstbildes in Bezug auf das eigene Älterwerden war größer als physiologische Faktoren, wie niedriger Blutdruck und Cholesterinspiegel, die beide mit einer längeren Lebenserwartung von etwa vier Jahren assoziiert sind“, erklärt Levy. Die Lebens-Optimisten ließen sogar die Nichtraucher, die Superschlanken und Sportskanonen weit hinter sich.

Dabei zeigte sich das Selbstbild in Bezug auf das Älterwerden in Sätzen, die wohl jeder kennt. Die Menschen mit positivem Selbstbild beschreiben ihr Lebensgefühl auch in mittlerem und höherem Alter so: „Ich bin heute genauso glücklich wie in jüngeren Jahren.“ Oder: „Ich fühle mich dieses Jahr genauso schwungvoll wie letztes Jahr.“ Sie sehen im Älterwerden vor allem die persönliche Entwicklung und setzen den Fokus auf die positiven Lebensgefühle. Die Negativdenker pflegen Überzeugungen wie: „Das Leben wird mit dem Alter schlechter.“ Oder: „Wenn man älter wird, ist man weniger wert.“

Eine Erklärung für das lange Leben der Positivdenker ist, dass sie sich ganz selbstverständlich dafür einsetzen, dass es ihnen gut geht. Sie gehen einfach davon aus, dass sie selbst und nicht irgendeine Geburtstagszahl ihr Lebensgefühl bestimmen. Wer sich dagegen ab 50 auf dem absteigenden Ast sieht, verfällt in eine gewisse Lebens-Lethargie, die Abbau- Prozesse aktiv beschleunigt: Denn gerade das Interesse am Leben, die Neugier auf Neues und eine gute persönliche Gesundheitsvorsorge halten uns gesund und jung. Körperlich wie seelisch. Wer dagegen lieber über das Älterwerden jammert, als das Leben in vollen Zügen zu genießen, raubt sich Lebenskraft und Lebenszeit.

Was tun? Streichen Sie den Satz „Dafür bin ich zu alt“ aus Ihrem Gedankenschatz. Beschäftigen Sie sich lieber mit den Dingen, die Sie interessant finden. Ganz gleich, ob es Mode, Ihre Fitness, eine Reise oder eine Weiterbildung im Job ist. Pflegen Sie Ihr positives Selbstbild. Holen Sie sich in Erinnerung, was sie heute besser können als früher, was Ihnen leichter fällt, wo Sie an Selbstbewusstsein, Gelassenheit und Freude hinzugewonnen haben. Und bewerten Sie andere Frauen nicht mit dem kritischen Blick aufs Alter. Die will mit 40 noch ein Kind? Freuen Sie sich doch mit ihr über die Entscheidung. Die trägt mit 65 Stilettos und ein enges Abendkleid? Wieso nicht! Der will mit 70 noch segeln lernen? Wünschen Sie ihm Glück und gutes Wetter!

2 Antworten zu Die Kraft der Gedanken: Man ist so alt, wie man sich denkt

  1. Heike Neidhardt sagt:

    Dazu fällt mir ein, was der Gerontopsychologe Hans-Werner Wahl in der Dezember-Ausgabe von „Gehirn & Geist“ berichtet – auch wenn es nur am Rande passt:
    Angenommen, man macht einen Gedächtnistest mit einer 80-jährigen Person und weist diese vorher auf ihr Alter hin – dann schneidet sie mit hoher Wahrscheinlichkeit schlechter ab, als wenn man den Hinweis auf das Alter weggelassen hätte.

    Die Erwartung, dass es im Alter mit der Leistungsfähigkeit wohl nicht so weit her ist, steckt ja in vielen Köpfen unbewusst drin … Und kaum wird sie durch einen Hinweis auf das Alter angeknipst, wirkt sich das tatsächlich auf die Leistung aus.
    Wir sind, was wir über uns denken.

  2. Jürgen Clausen sagt:

    Ich sage mal folgendes: mit 43 kann man nicht beurteilen, wie es wirklich ist, körperliche und geistige Leistungsfähigkeit rein durch das Älter Werden rapide zu verlieren, obwohl man alles dagegen tut, was ins tägliche Leben integrierbar ist, wie Sport, Hobbies und vernünftige Ernährung. Ich hätte mir niemals konkret vorstellen können, wie es ist, plötzlich Leistungsabfall zu erleben, plötzlich nicht mehr berufstätig sein zu können (weil es eben nicht mehr geht!) und Fehler zu machen. Wenn man sich nicht mehr auf seinen Instinkt verlassen kann, wie soll man dann noch auf die gleiche Weise aktiv sein wie „früher“? Das ist gefährlich, für einen selbst und für andere.
    Konkret ist es bei mir ein Riesenunterschied, wie ich noch vor zwei Jahren war und wie ich jetzt bin. Dabei gibt es keinen medizinischen Befund.
    Zum Glück habe ich einen „Zweitberuf“, der jetzt zu meinem Hauptberuf geworden ist. Aber ich habe volles Verständnis, wenn sich jemand „alt“ fühlt.

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