Wie möchten Sie älter werden? Diskutieren Sie mit!

Carola Kleinschmidt fragte Menschen jedes Alters, aus unterschiedlichen Berufen und Lebenssituationen, wie sie sich ihr Leben jenseits der 65 vorstellen. Sie traf 39-Jährige, die sich schon auf die Rente freuen. Andere, die sich gar nicht vorstellen können, mit dem Job aufzuhören. Menschen, die das Älterwerden genießen, die sich im lustigen Wohnprojekt sehen. Aber auch jene, die sich vor Einsamkeit und Krankheit fürchten.

Schnell wurde klar: Älterwerden ist Vielfalt. Heute ist vieles möglich, was noch vor 50 Jahren nicht denkbar war.

Welche Erfahrung machen Sie? Wie stellen Sie sich Ihr Leben ab 65 aufwärts vor? Wovon träumen Sie? Was fürchten Sie? Wir freuen uns auf Ihre Kommentare.

Drei der Interviewpartner von Carola Kleinschmidt machen den Anfang.

7 Antworten zu Wie möchten Sie älter werden? Diskutieren Sie mit!

  1. Catharina A., 55, Reiseleiterin:

    Ich bin jetzt 55, aber ich fühle mich viel jünger, eher so wie 30. Ich möchte weiter schreiben, auch, wenn ich älter bin. Und möglichst einen Teil des Jahres in der Wärme, also in einem südlicheren Land verbringen, viel reisen, mich für soziale Projekte engagieren. Natürlich möchte ich gern mit einem (etwas jüngeren) Partner zusammenleben. Einen älteren Mann an meiner Seite zu haben ist für mich momentan nicht vorstellbar. Ich will auch weiter viel lesen und die Welt und alles noch besser verstehen, Seminare zur Weiterentwicklung machen – ach, es gibt so viel zu tun! Ja, und natürlich auf meine Gesundheit achten, viel Sport.

    Was gefällt Ihnen am Älterwerden?

    Seit einiger Zeit freue ich mich über meine größere innere Souveränität, die aber mehr mit innerer Arbeit an den eigenen Konflikten und Problemen zu tun hat und nicht automatisch mit dem Älterwerden kommt, man muss was dafür tun! Und dass meine soziale Kompetenz wächst. Dass ich tatsächlich feststelle, dass ich bestimmte, wiederkehrende Themen, die mich seit meiner Kindheit gefangen hielten, tatsächlich überwinden und sich weiter entwickeln kann. Das finde ich phänomenal und bin sehr dankbar dafür!

    Was fürchten Sie im Alter?

    Gebrechlicher werden, Krankheiten und Verschrumpeln. Ich finde, das Alter ist vor allem ein optisches Problem.

    • Die Lebenserwartung ist in den letzten 100
      Jahren um 30 Jahre gestiegen. Das verändert
      unser persönliches Dasein. Was früher
      als klassische „Altersvorsorge“ galt, wird
      zukünftig früher passieren müssen. Mit 40
      an 80 denken, wird erforderlicher denn je.
      Denn wer sein eigenes Altwerden aktiv mitbestimmen
      möchte, sollte bereits in jungen
      Jahren auch an sein Lebensende denken. Doch dieser Aspekt wird allzuoft völlig außer Acht gelassen. Dabei gehört das Denken an den (eigenen) Tod ebenso dazu.
      Übrigens findet dieser Vorsorgegedanke
      mittlerweile auch durch höchstrichterliche
      Rechtsprechung Unterstützung (Stichwort: Schonvermögen).
      Also: An das Alter, an das eigene Altwerden denken, sollte auch die Frage nach dem Lebensende beinhalten. Ansonsten führt das Wegschieben dieses Themas nicht zur inneren Ausgeglichenheit.

      Mit freundlichen Grüßen
      Stephan Hadraschek

      • Hallo Herr Hadraschek,

        Ich persönlich denke, dass der Gedanke an den Tod häufig verwechselt wir mit der Idee, man würde sich dann vom Leben abwenden. Aber nach den Gesprächen mit älteren und auch sehr alten Menschen weiß ich, dass viele Menschen gerade ihre Lebendigkeit genießen, weil sie sich auch aktiv mit dem Gedanken beschäftigen, dass das Leben endlich ist. Wie ist da Ihre Erfahrung?

        Ihre Gedanken erinnern mich auf jeden Fall an ein Zitat von Viktor Frankl, das ich auch im Buch erwähne: „Wenn wir unsterblich wären – dann könnten wir alles, aber auch wirklich schon alles, aufschieben.Denn es käme nie darauf an, ob wir etwas gerade jetzt tun oder morgen oder übermorgen oder in einem Jahr oder in zehn Jahren oder wann auch immer. Uns drohte kein Tod und kein Ende, keine Begrenzung der Möglichkeiten, wir sähen keine Veranlassung, eine Tat eben jetzt zu setzen oder einem Erlebnis uns just jetzt hinzugeben – es wäre ja Zeit, wir hätten ja Zeit, unendlich viel Zeit. Die Tatsache und nur die Tatsache hingegen, dass wir sterblich, dass unser Leben endlich, dass unsere Zeit begrenzt ist und unsere Möglichkeiten beschränkt sind, diese Tatsache ist es, die es überhaupt sinnvoll erscheinen lässt, etwas zu unternehmen, eine Möglichkeit zu nutzen und zu verwirklichen, zu erfüllen, die Zeit zu nutzen und auszufüllen. Der Tod bedeutet den Zwang hierzu. So macht der Tod erst den Hintergrund aus, auf dem unser Sein eben ein Verantwortlichsein ist.“

      • Liebe Frau Kleinschmidt,

        Ihre Erfahrungen decken sich auch mit meinen: Die Beschäftigung mit der Thematik „Sterben/Tod“/Trauer“ wird oft als „erlösend“ empfunden. Viele Ältere stecken aber auch in einem Trauerprozess durch den Verlust des Partners fest. Wenn ihnen da Hilfe angeboten wird, ist das gut und wichtig. Sie können dann wieder zurück ins Leben finden.
        Allerdings sollte man auch nicht ignorieren, dass es vielen auch Angst macht – und dann besonders das „Sterben“. Es ist grundsätzlich schwierig, mit Menschen über ihre Nicht-Existenz zu sprechen. Da gibt es dann oft innere Blockaden: Entweder einem ist alles egal oder man malt sich ein schönes Leben nach dem Tod aus. Leider wird diese Verdrängung von vielen ausgenutzt: Betroffenen kann man in der akuten Situation eines Todesfalls so ziemlich alles verkaufen …
        Da hilft nur konkrete Aufklärung. Und das rechtzeitig.
        Das Zitat von Viktor Frankl finde ich sehr schön und genau passend. Aber es machen sich eben zu wenige zu Eigen.

        Viele Grüße,
        Stephan Hadraschek

  2. Paul, 39, Jurist und Führungskraft in einem Museum

    Wie stellen Sie sich Ihr Leben jenseits der 65 vor?

    Am meisten freue ich mich auf Ruhe und Frieden! Etwas mehr Abstand zur Mühle des Alltags zu haben. Ich freue mich, meinem Sohn bei seinem akademischen Werdegang und seinem Start ins Berufsleben beobachten zu können. Ich wünsche mir, ihm dabei eine Stütze zu sein. Mit meiner Frau werde ich als „altes Ehepaar“ ein eingespieltes Team sein, auch wenn ich denke, dass wir gemeinsam noch so mache Überraschung erleben werden. Auch denke ich, es mit 60 einerseits zu einem gewissen Wohlstand gebracht zu haben und mich daher stärker und sicherer beruflich engagieren zu können als heute, wo ich auf Erwerbsarbeit angewiesen bin. Deshalb denke ich, dass die Zeit zwischen 60 und etwa 80 oder wann immer ich aus dem Berufsleben ausscheide, eine recht erfüllte Zeit sein wird. Nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben will ich mich in den Bereichen, die mich schon beruflich interessiert haben, weiter ehrenamtlich engagieren. Als Jurist hat man eigentlich immer die Chance, sich für das Gute und Gerechte einzusetzen – auch als Freundschaftsdienst. In dieser Hinsicht ist mir mein Großvater Vorbild. Er ist inzwischen über 100 Jahre alt.

    Was fürchten Sie am Alter?

    Demenz und auch Pflegebedürftigkeit.

  3. Hermann S., 48, Steuerfachgehilfe

    Wie stellen Sie sich Ihr Leben jenseits der 65 vor?

    Es gibt ein Ideal vom Altsein: Leben am Meer, Bücher schreiben, in einer festen aber auch freien Beziehung leben, natürlich gute Beziehungen zu Freunden und der Familie, zahlreiche Reisen unternehmen und immer noch wohltätig sein und entsprechende Projekte unterstützen. Am meisten freue ich mich auf eine freie Zeiteinteilung, sodass ich zum Beispiel in der Natur etwas tun kann, wenn das Wetter gut ist und Dinge sofort realisieren kann, wenn sie mir in den Sinn kommen.

    Wann haben Sie sich das letzte Mal darüber gefreut, dass Sie älter geworden sind?

    Ich freue mich täglich über mein gewonnenes Wissen und gesammelte Erfahrungen, die ich nutzen kann, und darüber, dass ich meine nahe Beziehung zur Natur, die ich als Kind schon einmal hatte, wiedergefunden habe.

    Was fürchten Sie im Alter?

    Altersarmut. Da ich bislang nur von einer Altersrente in Höhe von 650 Euro ausgehen muss. Das heißt Hartz IV beziehungsweise arbeiten bis zum letzten Tag soweit möglich.

  4. Wie man ein „Life-book“ erstellt und wie
    hilfreich es sein kann für Patient und Betreuende,
    liest man im unten erwähnten Buch.
    Das fühlen von Geborgenheit und des Glücklich seins,
    sowie einer gute Betreuung hängt oft davon ab, wie
    dem Pflegepersonal die Gewohnheiten des
    Klienten übermittelt wurden.

    Guten Tag
    Im Buch „ in Würde älter werden „
    beschreibt Sophie-Marie mit ihrem
    Künstlernamen, wie wohltuend es sein kann,
    jemanden in seinem Lebensherbst zu begleiten und
    wie wichtig es ist, alle pflegenden mit
    einem kurz verfassten „ Life-book „ zu informieren
    über Familiengeschichte und Vergangenheit.
    Dieses aktuelle Thema kennt keine Landesgrenzen und soll
    die Gesellschaft aufrütteln, für Veränderungen
    im Gesundheitswesen einzustehen.

    Freundlichst
    Kaethy Portmann
    kaethy.portmann@lebensherbst.ch
    http://www.lebensherbst.ch
    die Gesellschaft muss sich ändern

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